Bin ich ein Kandidat für feste Zähne an einem Tag?
Viele Patienten glauben, sie kommen für All-on-4 nicht in Frage. Zu wenig Knochen, zu alt, zu viele Vorerkrankungen. Hier erkläre ich, was wirklich zählt.
Ich höre diesen Satz regelmäßig in der Erstberatung: “Ich wurde woanders abgelehnt.” Manchmal vor einem Jahr, manchmal vor einer Woche. Meistens war die Begründung: zu wenig Knochen, zu alt, oder der Allgemeinzustand lasse es nicht zu.
In vielen dieser Fälle haben wir trotzdem behandelt. Nicht leichtfertig, sondern weil wir nach einer gründlichen Planung zu einem anderen Ergebnis gekommen sind.
Dieser Artikel erklärt, was eine Kandidatur für feste Zähne an einem Tag wirklich bedeutet – und was sie nicht bedeutet.
Was “feste Zähne an einem Tag” konkret heißt
Wenn ich von festen Zähnen an einem Tag spreche, meine ich das All-on-4-Verfahren oder seine Variante All-on-6. Das Prinzip: Ein kompletter Zahnbogen wird auf vier oder sechs Implantaten verankert. Die hinteren Implantate werden schräg gesetzt, um vorhandenen Knochen optimal zu nutzen.
Das Besondere: Am Tag der Operation setzen wir ein Provisorium. Sie gehen mit festen Zähnen nach Hause. Nicht mit einer Prothese, die herausnehmbar ist, sondern mit einem festsitzenden Zahnersatz, der Ihnen sofort Funktion und Ästhetik gibt.
Der finale Zahnersatz folgt nach der Einheilphase, wenn die Implantate vollständig in den Knochen eingewachsen sind.
Die Frage, die wirklich entscheidet: Wie ist Ihr Allgemeinzustand?
Die häufigste Fehlannahme: Die Knochenqualität entscheidet allein. Das stimmt nicht.
Was wirklich zählt, ist Ihr Allgemeinzustand. Können Sie einen chirurgischen Eingriff in Lokalanästhesie oder Dämmerschlaf tolerieren? Gibt es Erkrankungen, die die Wundheilung beeinträchtigen? Nehmen Sie Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen?
Diese Fragen klären wir in der Erstberatung. Erst dann können wir sagen, ob und wie wir vorgehen.
Knochen: Warum “zu wenig” selten das letzte Wort ist
Knochenabbau entsteht, wenn Zähne fehlen und der Knochen nicht mehr stimuliert wird. Das ist ein biologischer Prozess, kein Versagen. Und er macht All-on-4 in den meisten Fällen trotzdem möglich – aus einem einfachen Grund: Die Schrägstellung der hinteren Implantate umgeht genau die Bereiche, in denen der Knochen am stärksten abgebaut ist.
Wir planen jeden Fall mit einem digitalen Volumentomogramm (DVT). Das zeigt uns Knochenmenge, Knochenqualität, Nervenverlauf und die exakte Implantatposition in drei Dimensionen. Auf dieser Basis entscheiden wir, nicht auf Basis einer zweidimensionalen Röntgenaufnahme.
In manchen Fällen ist ein Knochenaufbau trotzdem sinnvoll oder notwendig. Das besprechen wir offen in der Planung.
Alter: Gibt es eine Grenze?
Nein. Es gibt keine Altersgrenze für Implantate.
Wir haben Patienten über 80 erfolgreich mit All-on-4 versorgt. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand. Ein 75-Jähriger ohne relevante Vorerkrankungen ist ein besserer Kandidat als ein 55-Jähriger mit schlecht eingestelltem Diabetes und aktiver Parodontitis.
Vorerkrankungen: Was wirklich ein Problem ist
Einige Erkrankungen erfordern besondere Vorsicht oder Vorbereitung, schließen eine Behandlung aber nicht automatisch aus:
| Erkrankung | Einfluss auf die Behandlung |
|---|---|
| Diabetes (gut eingestellt) | Kein Ausschluss, Wundheilung beobachten |
| Osteoporose | Knochenqualität prüfen, ggf. Medikamente anpassen |
| Blutgerinnungshemmer | Medikamentenpause in Absprache mit Hausarzt |
| Aktive Parodontitis | Erst behandeln, dann implantieren |
| Bisphosphonate (oral) | Risikobewertung, häufig behandelbar |
Was eine Behandlung tatsächlich unmöglich macht: unkontrollierter Diabetes, aktive Krebstherapie mit Bestrahlung im Kieferbereich, schwere Immunsuppression. Das sind seltene Ausnahmen.
Was Sie von der Erstberatung erwarten können
In der Erstberatung nehmen wir uns Zeit. Wir hören zu, bevor wir etwas sagen. Wir schauen uns Ihre Situation an – mit DVT, wenn nötig – und erklären Ihnen dann, was möglich ist und was nicht.
Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass eine Behandlung nicht sinnvoll ist, sagen wir das. Aber wir sagen es erst, nachdem wir wirklich hingeschaut haben.
Wie geht es weiter, wenn Sie ein Kandidat sind?
Wenn die Planung zeigt, dass All-on-4 für Sie in Frage kommt, legen wir gemeinsam den Ablauf fest. Wir erklären jeden Schritt: Vorbereitung, Operationstag, Einheilphase, finaler Zahnersatz.
Dr. Barbara Vogtner plant und fertigt den Zahnersatz in unserem eigenen 3D-Labor. Das bedeutet: keine Wartezeiten auf externe Labore, keine Kompromisse bei der Passgenauigkeit.
Wenn Sie wissen möchten, ob Sie ein Kandidat sind, vereinbaren Sie eine Erstberatung. Wir schauen gemeinsam hin.
Weiterführende Artikel:
Dr. Andreas Vogtner
Master of Science in Parodontologie und Implantologie · ITI Diploma · Zahnarzt in Ingolstadt
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