Ratgeber / Parodontologie

Zahnverlust durch Karies und Parodontitis – wie es dazu kommt

Warum verlieren wir Zähne? Erfahren Sie alles über die Hauptursachen Zahnverlust Ursachen wie Karies und Parodontitis und wie Sie Ihre Zähne schützen können.

Dr. Andreas Vogtner
· Parodontologie

Vielleicht sitzen Sie gerade vor dem Spiegel und haben eine kleine Veränderung bemerkt. Ein Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, das einfach nicht verschwinden will, oder ein Ziehen im Backenzahn bei kalten Getränken. Oft schieben wir solche Signale beiseite. Doch hinter diesen scheinbar kleinen Warnzeichen verbergen sich oft die zwei größten Diebe unserer Zahngesundheit: Karies und Parodontitis. In meiner Praxis in Ingolstadt sehe ich täglich Patienten, die sich fragen: “Wie konnte es so weit kommen?” Es ist fast nie mangelnde Hygiene allein. Oft ist es ein schleichender Prozess, den man erst bemerkt, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Lassen Sie uns einmal ganz in Ruhe darüber sprechen, was da in Ihrem Mund eigentlich passiert und warum ein Zahn am Ende seinen Halt verliert.

Karies: Wenn der Zahn von innen zerfällt

Karies ist wohl das bekannteste Problem beim Zahnarzt. Viele denken dabei an das typische “Loch im Zahn”. Es beginnt alles mit einem klebrigen Film auf den Zähnen, dem Biofilm. In diesem Film leben Bakterien, die Zucker aus unserer Nahrung verarbeiten und dabei Säure ausscheiden. Diese Säure löst Mineralien aus dem harten Zahnschmelz [4].

Wenn dieser Prozess immer wieder abläuft, wird die Oberfläche weich. Die Bakterien dringen tiefer in den Zahn vor, bis sie das weichere Dentin erreichen. Ab hier geht es oft schneller. Wenn die Karies schließlich das Innere des Zahns erreicht – dort, wo die Nerven liegen –, kommt es zu starken Schmerzen. In diesem Stadium kann oft nur noch eine Wurzelbehandlung den Zahn retten. Wird auch das versäumt, entzündet sich die Wurzelspitze so stark, dass der Zahn schließlich entfernt werden muss [12] [14].

Parodontitis: Der stille Räuber des Kieferknochens

Während Karies den Zahn selbst angreift, ist Parodontitis eine Erkrankung des Fundaments. Stellen Sie sich einen Baum vor, dem langsam die Erde um die Wurzeln weggespült wird. Irgendwann kippt er um, obwohl der Stamm völlig intakt ist. Genau das passiert bei einer Parodontitis.

Es beginnt meist mit einer Zahnfleischentzündung. Wenn diese nicht gestoppt wird, wandern die Bakterien tiefer in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch. Es entstehen Zahnfleischtaschen. Unser eigener Körper reagiert auf diese Bakterien mit einer massiven Abwehrreaktion. Diese Entzündung führt dazu, dass der Körper beginnt, den Kieferknochen und die Haltefasern abzubauen, um den Infektionsherd loszuwerden [1] [6]. Da dieser Prozess oft jahrelang schmerzfrei verläuft, bemerken viele Patienten die Parodontitis erst, wenn die Zähne locker werden [3].

Die Unterschiede auf einen Blick

Es hilft, die beiden Prozesse gegenüberzustellen, um zu verstehen, worauf man achten muss. Während Karies oft punktuell auftritt und Schmerzen verursacht, ist die Parodontitis eine flächige Erkrankung, die oft das gesamte Gebiss betrifft.

MerkmalKariesParodontitis
AngriffszielDie harte ZahnsubstanzDer Zahnhalteapparat (Knochen)
HauptursacheZucker + Bakterien + SäureBakterielle Beläge + Entzündung
WarnzeichenSchmerzen bei Süßem oder KaltemZahnfleischbluten, lockere Zähne
VerlaufOft schnell und schmerzhaftMeist langsam und schmerzfrei

Warum manche Menschen anfälliger sind

Zahnverlust Ursachen sind oft komplexer als nur die Zahnbürste. Bei der Parodontitis spielt die Genetik eine große Rolle – manche Immunsysteme reagieren einfach überempfindlich auf Bakterien. Auch Rauchen ist ein massiver Risikofaktor, da es die Durchblutung des Zahnfleischs verschlechtert und Warnsignale wie Bluten unterdrückt. Stress und Erkrankungen wie Diabetes können das Risiko ebenfalls erhöhen [2] [3].

Was Sie heute tun können

Weder Karies noch Parodontitis sind ein Schicksal, dem man hilflos ausgeliefert ist. Der wichtigste Schritt ist die regelmäßige Vorsorge. In unserer Praxis in Ingolstadt schauen wir uns nicht nur die Zähne an, sondern messen auch ganz genau die Tiefe Ihrer Zahnfleischtaschen. So können wir eine beginnende Parodontitis erkennen, lange bevor der Knochen Schaden nimmt. Eine professionelle Zahnreinigung hilft zudem, die Bakterienbeläge auch an den Stellen zu entfernen, die Sie zu Hause einfach nicht erreichen.

Häufige Fragen zum Thema

Kann sich abgebauter Knochen wieder regenerieren? Leider wächst Kieferknochen, der durch eine Parodontitis verloren gegangen ist, in der Regel nicht von alleine nach. Ziel der Behandlung ist es primär, den weiteren Abbau zu stoppen. In speziellen Fällen können wir mit modernen Verfahren den Knochenaufbau unterstützen, aber Vorsorge ist hier immer der bessere Weg.

Ist Zahnfleischbluten immer ein Zeichen für Parodontitis? Nicht immer, aber es ist immer ein Warnsignal. Es zeigt, dass eine Entzündung vorliegt. Wenn das Bluten nach ein paar Tagen gründlicher Reinigung nicht aufhört, sollten wir uns das in der Praxis genauer ansehen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass mit Ihren Zähnen etwas nicht stimmt, kommen Sie gerne bei uns in der Bergbräustraße in Ingolstadt vorbei. Wir nehmen uns die Zeit, Ihre Situation genau zu analysieren. Gemeinsam finden wir einen Weg, wie wir Ihre natürlichen Zähne so lange wie möglich erhalten können.

Quellen

[1] Zahnärztekammer Nordrhein: Karies & Parodontitis [2] KZBV: Ursachen von Parodontitis [3] NDR Ratgeber: Parodontitis Ursachen [4] Stiftung Gesundheitswissen: Karies [6] DG PARO: Parodontitis [12] AOK Magazin: Wurzelbehandlung [14] DA Direkt: Zahnwurzelbehandlung

Dr. Andreas Vogtner

Master of Science in Parodontologie und Implantologie · ITI Diploma · Zahnarzt in Ingolstadt