Prothese hält nicht mehr: Was tun – und welche Implantat-Alternativen gibt es?
Eine Prothese, die nicht mehr sitzt, ist mehr als ein Komfortproblem. Von der Unterfütterung bis zur implantatgetragenen Versorgung – welche Lösung wann sinnvoll ist.
Eine Prothese, die nicht mehr hält, ist für viele Patienten ein schleichender Prozess. Am Anfang ist es ein leichtes Wackeln beim Essen. Dann kommt das Unbehagen beim Sprechen. Irgendwann vermeidet man bestimmte Speisen, lacht nicht mehr unbefangen und zieht die Prothese immer öfter heraus. Das ist kein Einzelschicksal – es ist die logische Konsequenz eines biologischen Prozesses, den eine Prothese alleine nicht aufhalten kann.
Warum Prothesen mit der Zeit schlechter sitzen
Der Kiefer braucht Belastung, um Knochen zu erhalten. Diese Belastung kommt normalerweise von den Zähnen – genauer gesagt von den Zahnwurzeln, die beim Kauen Druck auf den Knochen übertragen. Wenn Zähne fehlen und durch eine Prothese ersetzt werden, fehlt dieser Reiz. Der Knochen baut sich ab – langsam, aber stetig.
Eine Prothese, die heute gut sitzt, sitzt in 5 Jahren schlechter – nicht weil die Prothese schlechter geworden ist, sondern weil der Kiefer sich verändert hat. Das lässt sich mit einer Prothese alleine nicht verhindern.
Kurzfristige Lösung: Unterfütterung
Wenn eine Prothese nicht mehr sitzt, kann sie unterfüttert werden – also an die veränderte Kieferform angepasst werden. Das ist eine sinnvolle Maßnahme, wenn der Knochen noch ausreichend vorhanden ist und die Prothese grundsätzlich noch in Ordnung ist.
Eine Unterfütterung hält aber nur so lange, bis der Knochen sich wieder verändert hat. Sie löst das Grundproblem nicht.
Mittelfristige Lösung: Neue Prothese
Wenn die Prothese sehr alt ist oder stark abgenutzt, ist eine neue Prothese sinnvoll. Eine gut angepasste neue Prothese sitzt besser als eine alte, abgenutzte. Aber auch hier gilt: Der Knochen baut sich weiter ab, und die neue Prothese wird mit der Zeit dasselbe Problem haben.
Langfristige Lösung: Implantatgetragene Prothese
Wenn Patienten dauerhaft eine stabile Lösung wollen, sind Implantate die einzige Möglichkeit, den Knochenschwund zu stoppen und gleichzeitig den Halt der Prothese zu verbessern.
Die einfachste Variante: Zwei Implantate im Unterkiefer, die als Verankerungspunkte für die bestehende Prothese dienen. Die Prothese klickt auf die Implantate und sitzt deutlich stabiler. Sie kann weiterhin zur Reinigung herausgenommen werden. Diese Lösung ist verhältnismäßig günstig und hat eine hohe Patientenzufriedenheit.
Im Oberkiefer sind in der Regel 4 Implantate nötig, weil der Knochen dort weicher ist.
Die beste Lösung: Festsitzender Zahnersatz auf Implantaten
Wer eine vollständig festsitzende Lösung möchte, ist mit All-on-4 oder All-on-6 am besten beraten. Dabei werden 4 bis 6 Implantate gesetzt, die ein festes Gebiss tragen. Keine Prothese, die herausfällt. Kein Haftcreme. Kein Wackeln.
Der Unterschied zur implantatgetragenen Prothese: Der Zahnersatz ist fest verschraubt und wird nicht herausgenommen. Das Gefühl ist dem natürlichen Gebiss deutlich näher.
Mehr dazu: All-on-4 oder herausnehmbare Prothese – was ist besser?
Was ist bei stark reduziertem Knochen möglich?
Viele Patienten, die seit Jahren eine Prothese tragen, haben erheblichen Knochenschwund. Das macht Implantate nicht unmöglich, aber es erfordert eine sorgfältige Planung.
Bei All-on-4 werden die hinteren Implantate bewusst gekippt gesetzt, um den vorhandenen Knochen optimal zu nutzen. Das ist einer der Gründe, warum All-on-4 auch bei reduziertem Knochen oft ohne aufwendigen Knochenaufbau möglich ist.
Mehr dazu: All-on-4 bei Knochenschwund – geht das wirklich?
Wann sollte man handeln?
Je länger man wartet, desto mehr Knochen geht verloren. Das macht spätere Implantate aufwendiger und teurer. Wer merkt, dass seine Prothese schlechter sitzt, sollte das nicht als unvermeidliches Schicksal hinnehmen, sondern als Signal, die Optionen zu prüfen.
Ein erster Schritt ist eine Diagnostik mit DVT – damit lässt sich beurteilen, wie viel Knochen noch vorhanden ist und welche Lösung realistisch ist.
Zusammenfassung: Welche Lösung wann
| Situation | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|
| Prothese sitzt leicht schlechter, Knochen noch gut | Unterfütterung |
| Prothese alt und abgenutzt | Neue Prothese |
| Dauerhaft stabiler Halt gewünscht, Budget begrenzt | Implantatgetragene Prothese (2–4 Implantate) |
| Festsitzende Lösung gewünscht | All-on-4 oder All-on-6 |
| Stark reduzierter Knochen | All-on-4 mit gekippten Implantaten |
→ Implantologie – Dr. Vogtner Ingolstadt → Zahnprothese oder Implantat – was ist die bessere Wahl? → Stark geschädigtes Gebiss: Welche Implantallösung passt?
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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Die individuelle Beurteilung erfolgt im persönlichen Beratungsgespräch.
Dr. Andreas Vogtner
Master of Science in Parodontologie und Implantologie · ITI Diploma · Zahnarzt in Ingolstadt
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