Das Wichtigste in Kürze
- Ja, Implantate sind auch nach einer Parodontitis möglich. Voraussetzung ist, dass die Entzündung vorher behandelt und unter Kontrolle ist.
- Wer an Parodontitis erkrankt war, hat ein höheres Risiko für Periimplantitis, eine Entzündung rund um das Implantat.
- Die Reihenfolge ist deshalb immer gleich: erst Parodontitis behandeln, dann implantieren, dann dauerhaft nachsorgen.
- Fehlt durch die Parodontitis Knochen, lässt sich das oft durch Knochenaufbau oder geeignete Implantatkonzepte ausgleichen.
- Parodontitis und Implantologie gehören zusammen. In unserer Praxis behandelt Dr. Andreas Vogtner, Master of Science in Parodontologie und Implantologie, beides aus einer Hand.
Parodontitis ist einer der häufigsten Gründe, warum Erwachsene Zähne verlieren. Viele Betroffene fragen sich danach, ob ein Implantat für sie überhaupt in Frage kommt, oder ob die Erkrankung das Implantat genauso gefährdet wie vorher die eigenen Zähne. Die kurze Antwort: Ein Implantat ist möglich, aber nur mit der richtigen Vorbereitung.
Kann ich trotz Parodontitis ein Implantat bekommen?
Ja, wenn die Parodontitis behandelt ist. Eine aktive, unbehandelte Parodontitis ist dagegen ein Ausschlussgrund für die Implantation. Die Bakterien, die das Zahnfleisch und den Knochen um die eigenen Zähne angreifen, können sich auch auf das Gewebe um ein Implantat ausbreiten.
Deshalb behandeln wir bei Implantat-Patienten eine bestehende Parodontitis immer zuerst. Erst wenn die Entzündung abgeklungen ist und das Zahnfleisch stabil bleibt, setzen wir das Implantat. Wie die Parodontitistherapie abläuft, erklärt unsere Seite zur Parodontitis-Behandlung in Ingolstadt.
Warum ist das Risiko nach einer Parodontitis höher?
Wer an Parodontitis erkrankt war, hat ein erhöhtes Risiko für Periimplantitis. Das ist eine Entzündung des Gewebes rund um das Implantat. Sie verläuft ähnlich wie eine Parodontitis: Erst entzündet sich das Zahnfleisch, dann baut sich der Knochen um das Implantat ab. Bleibt sie unbehandelt, kann das Implantat verloren gehen.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Die Bakterien sind noch da. Auch nach erfolgreicher Therapie bleiben die typischen Keime im Mund und können neue Entzündungen auslösen, wenn die Mundhygiene nachlässt.
- Die Veranlagung bleibt. Manche Menschen reagieren auf bakterielle Beläge stärker mit Entzündungen als andere. Diese Neigung verschwindet nicht mit der Behandlung.
- Weitere Risikofaktoren wie Rauchen oder ein schlecht eingestellter Diabetes wirken bei Zähnen und Implantaten gleichermaßen.
Das erhöhte Risiko ist kein Grund, auf Implantate zu verzichten. Es ist ein Grund, die Behandlung gut zu planen und die Nachsorge ernst zu nehmen. Welche Faktoren den Implantaterfolg sonst noch beeinflussen, lesen Sie im Ratgeber Risikofaktoren für Implantatversagen.
In welcher Reihenfolge läuft die Behandlung ab?
Schritt 1: Parodontitis behandeln
Am Anfang steht eine gründliche Untersuchung von Zahnfleisch, Zahnfleischtaschen und Knochen. Danach folgt die systematische Parodontitistherapie: Die Zahnoberflächen und Taschen werden unter örtlicher Betäubung gereinigt, entzündetes Gewebe wird entfernt. Für gesetzlich Versicherte ist die systematische Parodontitistherapie eine Kassenleistung. Allgemeine Informationen dazu bietet die Patienteninformation der KZBV.
Schritt 2: Heilung abwarten und Ergebnis prüfen
Nach der Therapie braucht das Gewebe Zeit, um auszuheilen. Bei einer Nachkontrolle prüfen wir, ob sich die Taschen geschlossen haben und keine Entzündung mehr vorliegt. Erst dann ist der Mund bereit für ein Implantat.
In unserer Praxis liegen zwischen dem Abschluss des ersten Therapieschritts, der antiinfektiösen Therapie, und der Implantation in der Regel zwei bis vier Wochen.
Schritt 3: Implantat planen und setzen
Mit einem digitalen Volumentomogramm (DVT) sehen wir, wie viel Knochen vorhanden ist und wo das Implantat am besten sitzt. Der Eingriff selbst erfolgt unter örtlicher Betäubung. Wie die Implantation im Einzelnen abläuft, beschreibt der Ratgeber Ablauf einer Zahnimplantat-Behandlung.
Schritt 4: Dauerhaft nachsorgen
Nach der Implantation ist die regelmäßige Nachsorge der wichtigste Schutz gegen Periimplantitis. Dazu gehören professionelle Reinigungen, Kontrollen von Zahnfleisch und Implantaten und eine gute Mundhygiene zu Hause.
Was tun, wenn durch die Parodontitis Knochen fehlt?
Parodontitis baut den Knochen ab, der die Zähne hält. Nach dem Zahnverlust ist deshalb oft weniger Knochen vorhanden, als für ein Implantat ideal wäre. Das heißt nicht, dass ein Implantat ausgeschlossen ist.
Je nach Situation gibt es verschiedene Wege:
- Knochenaufbau vor oder während der Implantation. Welche Verfahren es gibt, erklärt der Ratgeber Knochenaufbau für Zahnimplantate.
- Sinuslift im Oberkiefer, wenn im Seitenzahnbereich zu wenig Höhe vorhanden ist. Mehr dazu auf unserer Seite zum Sinuslift.
- Implantatkonzepte, die mit weniger Knochen auskommen, etwa schräg gesetzte Implantate beim All-on-4-Konzept. Ob das für Sie in Frage kommt, zeigt die Seite All-on-4 ohne Knochenaufbau.
Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie viel Knochen fehlt und wo. Das zeigt die 3D-Diagnostik. Ausführlich beantwortet der Ratgeber Zu wenig Knochen für ein Implantat? diese Frage.
Wie halten Implantate nach Parodontitis möglichst lange?
Die gute Nachricht: Was Implantate schützt, haben Parodontitis-Patienten meist schon gelernt. Es sind dieselben Gewohnheiten, die auch die eigenen Zähne schützen.
- Regelmäßige professionelle Reinigung. Wie oft, legen wir individuell fest. Mehr dazu im Ratgeber Professionelle Zahnreinigung.
- Gründliche Pflege zu Hause, auch in den Zwischenräumen und am Übergang vom Implantat zum Zahnfleisch. Wie das gelingt, zeigt der Ratgeber Zahnimplantat Pflege.
- Nicht rauchen. Rauchen erhöht das Risiko für Parodontitis und Periimplantitis deutlich.
- Allgemeine Gesundheit im Blick behalten, vor allem einen Diabetes gut einstellen lassen.
- Frühe Warnzeichen ernst nehmen: Zahnfleischbluten am Implantat, Schwellungen oder ein unangenehmer Geschmack sind ein Grund, zeitnah in die Praxis zu kommen.
Warum ist es sinnvoll, Parodontitis und Implantate aus einer Hand behandeln zu lassen?
Parodontitis und Implantologie sind eng verbunden. Wer eine unbehandelte Parodontitis hat, riskiert auch den Verlust von Implantaten. Umgekehrt entscheidet die Parodontitistherapie mit darüber, wie gut ein Implantat später hält.
Dr. Andreas Vogtner hat den Master of Science in Parodontologie und Implantologie erworben und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) und der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI). In unserer Praxis in Ingolstadt planen wir Parodontitistherapie, Implantation und Nachsorge deshalb als ein zusammenhängendes Konzept, statt sie auf verschiedene Praxen zu verteilen. Weitere Informationen für Patienten bieten auch die Fachgesellschaften, etwa die DG Paro und die DGI.
Häufige Fragen zu Implantaten bei Parodontitis
Wie lange muss ich nach der Parodontitisbehandlung auf ein Implantat warten?
In unserer Praxis in der Regel zwei bis vier Wochen nach Abschluss der antiinfektiösen Therapie. Wie schnell das Gewebe ausheilt, ist aber individuell. Das Implantat setzen wir erst, wenn die Nachkontrolle zeigt, dass die Entzündung abgeklungen ist und das Zahnfleisch stabil bleibt.
Kann ein Implantat Parodontitis bekommen?
Nicht im engeren Sinn, aber eine sehr ähnliche Entzündung: die Periimplantitis. Sie greift das Gewebe um das Implantat an und kann zum Knochenabbau führen. Regelmäßige Nachsorge senkt das Risiko deutlich.
Ist ein Implantat nach Parodontitis riskanter als eine Brücke?
Beide Versorgungen brauchen ein entzündungsfreies Umfeld. Eine Brücke stützt sich auf Nachbarzähne, die bei Parodontitis selbst gefährdet sein können. Ein Implantat schont die Nachbarzähne. Was in Ihrem Fall sinnvoller ist, hängt vom Zustand der Nachbarzähne und vom Knochen ab. Einen Vergleich bietet der Ratgeber Zahnbrücke oder Implantat.
Zahlt die Krankenkasse das Implantat, wenn ich die Zähne durch Parodontitis verloren habe?
Nein. Das Implantat ist auch dann eine Privatleistung. Die Kasse zahlt einen Festzuschuss für den Zahnersatz auf dem Implantat. Die systematische Parodontitistherapie selbst ist dagegen eine Kassenleistung. Details im Ratgeber Was zahlt die Krankenkasse bei Implantaten?
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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Die individuelle Beurteilung erfolgt im Beratungsgespräch.