Zu wenig Knochen für Implantate? Warum das meistens ein Mythos ist.
Da kann man nichts mehr machen. Warum dieser Satz bei Implantaten und Knochenabbau in den meisten Fällen falsch ist – und was wirklich möglich ist.
Von Dr. Andreas Vogtner, M.Sc. Parodontologie & Implantologie
„Für Implantate haben Sie zu wenig Knochen. Da kann man nichts mehr machen.” Als Spezialist für Implantologie in Ingolstadt höre ich diesen Satz fast jede Woche. Neue Patienten kommen frustriert zu mir, weil ihnen gesagt wurde, feste Zähne seien bei ihnen unmöglich. Sie sollen sich mit einer herausnehmbaren Prothese abfinden.
Doch die gute Nachricht ist: In den allermeisten Fällen stimmt das schlichtweg nicht.
Der Mythos vom fehlenden Knochen
Viele Patienten glauben, dass für jedes Implantat zwingend ein massiver, perfekt geformter Kieferknochen vorhanden sein muss. Fehlt dieser durch jahrelangen Zahnverlust oder Parodontitis, wird oft ein langwieriger Knochenaufbau empfohlen – oder die Behandlung wird komplett abgelehnt.
Dabei gibt es heute Methoden, die genau für diese schwierigen Ausgangssituationen entwickelt wurden.
Die Lösung: Vorhandene Strukturen clever nutzen
Das Konzept Feste Zähne an einem Tag (auch bekannt als All-on-4 oder All-on-6) setzt genau hier an. Anstatt zu versuchen, Knochen dort aufzubauen, wo er fehlt, nutzen wir die anatomischen Strukturen, die noch vorhanden sind.
Wie funktioniert das? Wir setzen die Implantate in einem speziellen Winkel ein. Im Unterkiefer reichen oft vier Implantate, im Oberkiefer meist sechs. Durch diese Schrägstellung verankern wir die Implantate in den stabilen, verbliebenen Knochenbereichen.
Das Ergebnis: Wir können den vorhandenen Knochen optimal ausnutzen. Ein langwieriger Knochenaufbau ist in vielen Fällen überflüssig. Und Sie erhalten noch am selben Tag feste Zähne, die sofort belastbar sind.
Gerade erst diese Woche konnten wir wieder eine Sofortimplantation bei einem Patienten durchführen, der stark reduzierten Knochen hatte und dem woanders gesagt wurde, es sei unmöglich.
Gibt es Fälle, in denen wirklich nichts mehr geht?
Ja, die gibt es. Aber sie sind die absolute Ausnahme. In etwa 99 Prozent der Fälle können wir Patienten mit festen Zähnen versorgen.
Das verbleibende 1 Prozent betrifft Patienten, bei denen der eigene Kieferknochen so extrem abgebaut ist, dass selbst die Schrägstellung der Implantate nicht mehr ausreicht. In diesen seltenen Situationen müssen wir auf sogenannte Zygoma-Implantate zurückgreifen, die im Jochbogen verankert werden. Aber für die überwiegende Mehrheit der Patienten reicht der eigene Knochen bei der richtigen Technik völlig aus.
Mein Rat: Holen Sie sich eine Zweitmeinung
Wenn Ihnen gesagt wurde, dass bei Ihnen keine Implantate möglich sind, weil Sie zu wenig Knochen haben, geben Sie sich nicht sofort damit zufrieden. Es ist oft nur ein Mythos.
Holen Sie sich eine Zweitmeinung ein. Lassen Sie einen Spezialisten prüfen, ob die modernen Methoden der Implantologie nicht doch feste Zähne für Sie möglich machen.
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Dr. Andreas Vogtner
Master of Science in Parodontologie und Implantologie · ITI Diploma · Zahnarzt in Ingolstadt
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