Ratgeber / Feste Zähne

All-on-4 oder Einzelimplantate: Welche Lösung passt zu Ihnen?

Wenn viele oder alle Zähne fehlen, stehen oft zwei Wege zur Wahl: feste Zähne auf vier Implantaten oder mehrere Einzelimplantate. Was die Konzepte unterscheidet und für wen welches passt.

Dr. Andreas Vogtner Von Dr. Andreas Vogtner Zuletzt aktualisiert: 7 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist der Unterschied zwischen All-on-4 und Einzelimplantaten?
  2. Wann sind Einzelimplantate die bessere Wahl?
  3. Wann ist All-on-4 die bessere Wahl?
  4. Was ist, wenn noch einige eigene Zähne da sind?
  5. Wie unterscheiden sich die Kosten?
  6. Wie lange halten All-on-4 und Einzelimplantate?
  7. Wie läuft die Entscheidung in unserer Praxis ab?
  8. Häufige Fragen zu All-on-4 und Einzelimplantaten

Das Wichtigste in Kürze

  • Einzelimplantate ersetzen jeden fehlenden Zahn oder kleine Lücken einzeln. Sie eignen sich, wenn noch eigene, erhaltenswerte Zähne vorhanden sind.
  • All-on-4 ersetzt alle Zähne eines Kiefers durch eine feste Brücke auf vier Implantaten. Es eignet sich bei zahnlosem Kiefer oder wenn die restlichen Zähne nicht mehr zu retten sind. Im zahnlosen Oberkiefer setzen wir in unserer Praxis immer sechs Implantate (All-on-6).
  • All-on-4 kommt durch schräg gesetzte Implantate oft ohne Knochenaufbau aus und ermöglicht eine feste Sofortversorgung am Tag der Operation.
  • Einzelimplantate brauchen an jeder Stelle genug Knochen. Bei starkem Knochenschwund wird häufiger ein Knochenaufbau nötig.
  • Welche Lösung passt, entscheidet nicht der Preis allein, sondern der Zustand Ihrer Zähne und Ihres Knochens. Das zeigt eine 3D-Diagnostik.

Wer viele Zähne verloren hat oder bald verlieren wird, steht vor einer großen Entscheidung. Zwei Konzepte werden dabei häufig verglichen: einzelne Implantate für einzelne Zähne oder eine komplette feste Brücke auf vier Implantaten, bekannt als All-on-4. Beide haben ihre Berechtigung, aber sie lösen unterschiedliche Probleme.

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Was ist der Unterschied zwischen All-on-4 und Einzelimplantaten?

Bei Einzelimplantaten bekommt jeder fehlende Zahn eine eigene künstliche Wurzel mit einer Krone darauf. Fehlen mehrere Zähne nebeneinander, können zwei Implantate auch eine kleine Brücke tragen. Die eigenen Zähne, die noch gesund sind, bleiben erhalten.

Bei All-on-4 werden alle Zähne eines Kiefers ersetzt. Vier Implantate tragen eine festsitzende Brücke mit meist 10 bis 12 Zähnen. Die beiden vorderen Implantate stehen gerade, die hinteren werden schräg gesetzt. So nutzen sie vorhandenen Knochen besser und umgehen im Oberkiefer häufig die Kieferhöhle.

EinzelimplantateAll-on-4
Für wenEinzelne oder mehrere fehlende Zähne, eigene Zähne vorhandenZahnloser Kiefer oder nicht mehr erhaltbare Restzähne
Anzahl ImplantateJe nach LückeVier pro Kiefer
KnochenaufbauBei Knochenschwund häufiger nötigOft vermeidbar durch schräge Implantate
Feste Zähne am OP-TagNur in geeigneten FällenIn der Regel ja (Provisorium)
Eigene ZähneBleiben erhaltenWerden ersetzt
ReinigungWie eigene Zähne, mit Zahnseide und ZwischenraumbürstenUnter der Brücke mit Zwischenraumbürsten und Munddusche

Wann sind Einzelimplantate die bessere Wahl?

Einzelimplantate sind sinnvoll, wenn Ihr Gebiss im Großen und Ganzen noch gesund ist und nur einzelne Zähne oder kleinere Gruppen fehlen. Typische Situationen:

  • Ein einzelner Zahn fehlt, etwa nach einem Unfall oder einer gescheiterten Wurzelbehandlung. Hier ist ein Implantat die Lösung, die die Nachbarzähne schont. Mehr dazu im Ratgeber Einzelzahnimplantat Kosten.
  • Mehrere Zähne fehlen an verschiedenen Stellen, die übrigen Zähne sind aber stabil.
  • Ein Backenzahn fehlt, und die Kaufläche soll wiederhergestellt werden. Details im Ratgeber Backenzahn Implantat Kosten.

Der große Vorteil: Gesunde Zähne bleiben, wo sie sind. Kein Zahn wird gezogen, nur weil das Konzept es verlangt.

Wann ist All-on-4 die bessere Wahl?

All-on-4 spielt seine Stärken aus, wenn ein ganzer Kiefer versorgt werden muss:

  • Sie tragen eine Prothese, die schlecht hält, drückt oder beim Essen stört. Mehr dazu im Ratgeber Prothese hält nicht.
  • Die restlichen Zähne sind stark geschädigt, etwa durch fortgeschrittene Parodontitis, und lassen sich nicht mehr dauerhaft erhalten.
  • Der Knochen ist bereits abgebaut. Durch die schräg gesetzten hinteren Implantate kommt All-on-4 oft ohne Knochenaufbau aus. Ob das bei Ihnen möglich ist, erklärt der Ratgeber All-on-4 bei Knochenschwund.
  • Sie möchten schnell feste Zähne. In geeigneten Fällen erhalten Sie noch am Tag der Operation ein festsitzendes Provisorium. Die endgültige Brücke folgt nach der Einheilung, in der Regel nach drei bis sechs Monaten.

Ob für Sie vier Implantate reichen oder ob sechs Implantate mehr Sicherheit geben, hängt vom Knochen ab. Die Variante mit sechs Implantaten beschreibt die Seite All-on-6 in Ingolstadt.

Was ist, wenn noch einige eigene Zähne da sind?

Das ist die schwierigste Situation, und genau hier lohnt sich eine gründliche Diagnostik. Die Frage lautet: Lassen sich die verbliebenen Zähne langfristig erhalten, oder sind sie bereits so geschwächt, dass sie in wenigen Jahren ohnehin verloren gehen?

  • Sind die Restzähne stabil, ist es meist sinnvoll, sie zu behalten und die Lücken mit Einzelimplantaten oder implantatgetragenen Brücken zu schließen.
  • Sind die Restzähne stark gelockert oder entzündet, kann es sinnvoller sein, sie zu entfernen und den Kiefer mit All-on-4 komplett neu zu versorgen. Sonst folgt eine Behandlung auf die nächste.

Diese Entscheidung fällt erst nach der Diagnostik und nie pauschal. Hilfreich für die Abwägung ist auch der Ratgeber Zahn erhalten oder ziehen?

Zum Vergleich: Soll ein kompletter Kiefer statt mit All-on-4 mit Einzelimplantaten und Brücken versorgt werden, sind dafür in der Regel acht bis zehn Implantate nötig. Für einen zahnlosen Oberkiefer planen wir in unserer Praxis immer All-on-6.

Wie unterscheiden sich die Kosten?

Ein direkter Preisvergleich ist schwierig, weil die beiden Konzepte unterschiedliche Situationen lösen. Für ein bis drei fehlende Zähne sind Einzelimplantate deutlich günstiger als eine Komplettversorgung. Muss dagegen ein ganzer Kiefer versorgt werden, ist All-on-4 mit nur vier Implantaten meist günstiger als viele Einzelimplantate mit eigenen Kronen und Brücken, vor allem wenn zusätzlich Knochen aufgebaut werden müsste.

In unserer Praxis gelten für eine Komplettversorgung folgende Richtwerte:

KieferImplantate inklusive festem ProvisoriumEndgültiger Zahnersatz
Oberkiefer, 6 Implantate (All-on-6)ca. 13.000 €ca. 16.000 €
Unterkiefer, 4 Implantate (All-on-4)ca. 10.000 €ca. 12.000 €

Ein Einzelzahnimplantat kostet bei uns 3.300 bis 5.000 Euro. Die genauen Kosten für Ihren Fall erfahren Sie nach der Diagnostik im Kostenvoranschlag.

Die Krankenkasse zahlt bei beiden Konzepten keinen Zuschuss für die Implantate selbst, sondern einen Festzuschuss für den Zahnersatz. Für einen zahnlosen Kiefer liegt dieser 2026 ohne Bonusheft bei 576,44 Euro im Oberkiefer und 617,72 Euro im Unterkiefer (Festzuschusstabelle der KZBV). Ab dem 1. Januar 2027 sinken die Zuschüsse. Was das bedeutet, erklärt der Ratgeber Festzuschuss Zahnersatz 2027.

Ausführliche Preisübersichten finden Sie im Ratgeber All-on-4 Kosten und unter Alle Zähne neu machen: Kosten. Eine erste Schätzung für Ihren Fall liefert der Zahnimplantat Kostenrechner.

Wie lange halten All-on-4 und Einzelimplantate?

Bei beiden Konzepten sitzen Titanimplantate im Kiefer, die mit dem Knochen verwachsen. Bei guter Pflege und regelmäßiger Nachsorge halten sie in der Regel sehr lange. Bei All-on-4 unterscheidet man zwischen dem Provisorium, das für die Einheilphase gedacht ist, und der endgültigen Brücke aus Keramik oder Zirkon, die auf viele Jahre ausgelegt ist.

Ein Unterschied liegt in der Lastverteilung: Bei Einzelimplantaten trägt jedes Implantat einen Zahn. Bei All-on-4 tragen vier Implantate eine ganze Zahnreihe. Deshalb ist bei All-on-4 eine sorgfältige Planung der Implantatpositionen besonders wichtig. Mehr dazu in den Ratgebern Wie lange halten All-on-4 Implantate? und Wie lange halten Zahnimplantate?.

Wie läuft die Entscheidung in unserer Praxis ab?

Am Anfang steht ein Beratungsgespräch, in dem wir Ihre Wünsche und Ihre Situation kennenlernen. Danach folgt die Diagnostik mit digitalem Scan und, wenn nötig, einem 3D-Röntgenbild (DVT). Damit sehen wir, welche Zähne erhaltenswert sind und wie viel Knochen vorhanden ist.

Auf dieser Grundlage besprechen wir mit Ihnen, welche Lösungen in Ihrem Fall in Frage kommen, mit allen Vor- und Nachteilen und einem Kostenvoranschlag für jede Variante. Die Entscheidung treffen Sie, nicht das Konzept.

Dr. Andreas Vogtner ist Master of Science in Parodontologie und Implantologie und Mitglied der DGI und des ITI. Mehr zum Behandlungskonzept für einen ganzen Kiefer lesen Sie auf der Seite feste Zähne an einem Tag und im Ratgeber All-on-4 Erfahrungen.

Häufige Fragen zu All-on-4 und Einzelimplantaten

Ist All-on-4 schlechter als Einzelimplantate?

Nein, es ist ein anderes Konzept für eine andere Situation. Bei einem zahnlosen Kiefer ist All-on-4 eine bewährte Lösung. Sind noch gesunde Zähne vorhanden, sind Einzelimplantate meist die schonendere Wahl.

Kann ich mit All-on-4 alles essen?

Mit der endgültigen Brücke ja, Sie können wieder normal kauen. In der Einheilphase mit dem Provisorium empfehlen wir zunächst weichere Kost.

Werden für All-on-4 gesunde Zähne gezogen?

In der Regel nur, wenn sie langfristig nicht zu erhalten sind. Sind die eigenen Zähne stabil, sprechen wir mit Ihnen über Alternativen, etwa Einzelimplantate oder implantatgetragene Brücken.

Brauche ich bei Einzelimplantaten immer einen Knochenaufbau?

Nein. Ob ein Knochenaufbau nötig ist, hängt davon ab, wie viel Knochen an der jeweiligen Stelle vorhanden ist. Das zeigt die 3D-Diagnostik. Mehr dazu im Ratgeber Knochenaufbau für Zahnimplantate.

Kann ich von einer Prothese auf All-on-4 umsteigen?

Ja, das ist einer der häufigsten Fälle. Viele Prothesenträger wechseln zu All-on-4, weil die Prothese nicht mehr hält. Ob das bei Ihnen möglich ist, klären wir im Beratungsgespräch.


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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Die individuelle Beurteilung erfolgt im Beratungsgespräch.

Über den Autor

Dr. Andreas Vogtner
Dr. Andreas Vogtner

Master of Science in Parodontologie und Implantologie · ITI Diploma · Zahnarzt in Ingolstadt

Dr. Andreas Vogtner ist Zahnarzt und Implantologe in Ingolstadt und führt die Praxis seit 2017. Nach dem Studium der Zahnmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München hat er den Master of Science in Parodontologie und Implantologie erworben. Sein Schwerpunkt sind komplexe Fälle: Implantate bei fehlendem Knochen, Sofortimplantate, Knochenaufbau und Sinuslift.

  • M.Sc. Parodontologie & Implantologie
  • ITI Diploma in Implant Dentistry
  • Mitglied ITI, DGI und DG Paro
Fachlich geprüft von Dr. Andreas Vogtner Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2026
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